Christin Lesker von Publik hat Julia Breuninger, Bildungsreferentin bei Hoffnungsträger Hoffnungshaus und Bewohnerin im Hoffnungshaus Leonberg, interviewt. Hier der Link zum Artikel: »Wir helfen uns gegenseitig« – Publik-Forum.de – Aufstehen & Handeln

Nicht ich bin hier, um Geflüchteten zu helfen –  wir helfen uns gegenseitig. Ich erinnere mich noch genau an den Moment, als mir das klar wurde: Meine nigerianische Nachbarin war zu Besuch, ich wollte ihr zeigen, wie sie ihre Kinder spielerisch fördern kann. Doch meine Wohnung war ein einziges Chaos, meine Tochter schrie, ich musste das Baby stillen, war völlig überfordert. Da kniete sich meine Nachbarin zu meiner Tochter, nahm sie in den Arm – und plötzlich war Stille. Dann begann sie, aufzuräumen. »Julia«, sagte sie, »wenn ich schwach bin, hilfst du mir. Jetzt bist du schwach, und ich helfe dir.«

Mein Mann und ich sind vor acht Jahren ins Hoffnungshaus in Leonberg gezogen. In Baden-Württemberg gibt es mehr als 30 solcher Häuser, in denen Menschen mit und ohne Fluchtgeschichte unter einem Dach leben. Alle haben ihre eigene Wohnung, aber es gibt Gemeinschaftsräume, Kochabende und gemeinsame Ausflüge. In unserem Haus leben rund 90 Menschen, gut die Hälfte sind Kinder. Jeder bringt sich so ein, wie er oder sie kann. Als wir eingezogen sind, war ich in Elternzeit. Ich habe Deutschkurse angeboten und eine Krabbelgruppe. Mein Baby war immer dabei.

Seit ich wieder arbeite, ist mein Engagement alltagsnäher: Wenn mich meine kurdische Nachbarin bittet, einen Brief zu übersetzen, nehme ich mir Zeit. Wenn jemand Begleitung zu einem Termin braucht, gehe ich mit. Nachmittags kommen oft Kinder zum Basteln oder Spielen zu uns. Und zu Weihnachten ist besonders viel los. Wir besuchen die Flüchtlingsunterkünfte der Stadt, bringen Schokolade und Malhefte mit. Mit den Kindern backen wir Plätzchen und üben Lieder ein. An Heiligabend lädt jede deutsche Familie eine geflüchtete Familie aus dem Haus zum gemeinsamen Feiern ein und wenn Ramadan ist, werden wir eingeladen. So wachsen meine Kinder mit der Selbstverständlichkeit auf, dass Menschen verschiedene Sprachen sprechen oder anders essen, aber dass wir als Menschen viel mehr gemeinsam haben, als uns trennt.

Diskussionen über Mülltrennung oder Kindererziehung können schon mal nerven. Wir versuchen Kompromisse zu finden und Grenzen zu respektieren. Das Leben hier hat mich verändert. Ich bin geduldiger geworden, sozialer, gelassener. Mein Glaube ist fragender geworden. Ich spüre Gott in den Begegnungen, im gemeinsamen Aushalten, im Lachen – und manchmal auch im Chaos.

Über die Hoffnungs­träger 

Die Hoffnungsträger Stiftung wurde 2013 von Tobias Merckle gegründet. Sie verfolgt das Ziel, Menschen dabei zu unterstützen, selbst Hoffnungsträger für andere zu werden. Unter dem Vorstand Marcus Witzke entstanden unter anderem integrative Wohnprojekte wie das Hoffnungshaus sowie internationale Programme für Straffällige und ihre Familien. 

Zur Hoffnungsträger-Gruppe gehören heute unter anderem die Hoffnungsträger Projektentwickler GmbH, Hoffnungsträger Global Impact sowie Rosskopf + Partner. Die Tochtergesellschaft Sinngeber ermöglicht darüber hinaus wertebasierte Philanthropie für Menschen, die mit ihrem Engagement gesellschaftliche Veränderung unterstützen möchten. 

Mit ihren unterschiedlichen Programmen verbindet Hoffnungsträger Hilfe zur Selbsthilfe, soziale Innovation und gemeinwohlorientiertes Handeln. Im Zentrum stehen dabei gesellschaftliche Teilhabe, Integration sowie das Schaffen von Perspektiven. 

Mehr Informationen: 

www.hoffnungsträger-gruppe.de  

Über die Hoffnungs­träger Hoffnungshaus ®

Hoffnungshaus® steht für Wohn- und Quartierskonzepte, die gesellschaftliches Miteinander und Zusammenhalt stärken. Menschen verschiedener Kulturen, Religionen und Generationen leben hier unter einem Dach und gestalten das Miteinander aktiv mit. Bezahlbarer Wohnraum, Orte der Begegnung sowie haupt- und ehrenamtliche Begleitung schaffen Raum für Gemeinschaft und Teilhabe. Integratives Wohnen ist dabei ein zentraler Ansatz: Menschen mit und ohne Fluchterfahrung begegnen sich auf Augenhöhe und übernehmen gemeinsam Verantwortung für ihr Zusammenleben. So entsteht aus Wohnraum Lebensraum. 

Mehr Informationen: 

Hoffnungsträger Hoffnungshaus | Hoffnungsträger Gruppe